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Warum ich wieder den Camino gegangen bin


Ankommen in Santiago de Compostela
Ankommen in Santiago de Compostela

Schon wieder einen Camino gehen? Über 700 Kilometer laufen? Zu Fuß? Und wofür eigentlich?

Diese Fragen werden mir häufig gestellt. Verständlich. Von außen betrachtet wirkt es erst einmal seltsam, freiwillig so weit zu gehen. Mit einem Rucksack. Bei Wind, Regen, Sonne, müden Beinen und Schlafsälen, die selten nach Wellness klingen. Und trotzdem zieht es mich wieder dorthin.

Nicht, weil ich Strecke sammeln will. Nicht, weil ich beweisen muss, dass ich es kann, sondern weil der Camino für mich ein Raum geworden ist, in dem etwas möglich wird, das im Alltag schnell verloren geht: Klarheit.


Wenn der Alltag zu laut wird

In den letzten Monaten habe ich gemerkt, dass ich in meinem Alltag Richtung und Fokus verloren hatte. Job. Projekte. Termine. Nachrichten. Entscheidungen. Erwartungen. Menschen. Ideen. Verantwortung. Dazu dieser permanente Strom aus Informationen, Erlebnissen, Bedürfnissen und Unwägbarkeiten.

Irgendwann war da nicht mehr nur viel los. Irgendwann war es zu viel.

Ich merkte, wie mir die Luft fehlte, Entscheidungen wirklich zu durchdenken. Meine Müdigkeit wurde stärker. Meine Dynamik veränderte sich. Mein Geist fühlte sich überlastet an, als würde eine innere Festplatte nach einem radikalen Neustart rufen.

Es war weit weg von einem Zusammenbruch, aber es war ein klares Warnsignal.

Ich lief Gefahr, zu überpacen. Und ich kenne mich gut genug, um zu wissen: Wenn ich diese Signale ignoriere, wird daraus kein Heldentum. Dann wird es irgendwann teuer.

Also musste Bewegung her. Nicht nur körperlich, auch innerlich.

Bewegen und loslassen. Genau dafür bin ich wieder auf den Camino gegangen.


Warum ausgerechnet der Camino?

Der Camino ist für mich mehr als ein Pilgerweg gehen. Er ist eine Form der Auseinandersetzung mit mir selbst.

Natürlich kann man sich auch ein freies Wochenende nehmen. Handy aus. Keine Termine. Zeit für sich. Das ist wertvoll.

Für die Tiefe, die ich gesucht habe, reicht mir das allein jedoch nicht. Ein Wochenende ist schnell vorbei. Die Ablenkung ist nah. Der Alltag steht vor der Tür und wartet schon mit Jacke an.

Der Camino funktioniert anders.

Er nimmt dich aus deinem gewohnten System heraus. Nicht für ein paar Stunden, sondern Tag für Tag. Es entwickeln sich Routinen. Du gehst. Du trägst deinen Rucksack. Du suchst dir ein Bett. Du isst. Du trinkst. Du begegnest Menschen. Oder du bleibst still. Mehr braucht es erst einmal nicht.

Ein Dach über dem Kopf. Etwas zu essen. Wasser. Bewegung. Ruhe. Begegnung, wenn sie passt. Alleinsein, wenn es nötig ist.

Diese Einfachheit ist wirkungsvoll. Sie ist manchmal unbequem, aber genau darin liegt ihre Kraft. Er folgt einem System, einem Rhythmus. Die ersten Tage braucht der Körper um sich an das regelmäßige gehen zu gewöhnen. Nach ca. fünf Tagen hat mein Körper sich an die Regelmäßigkeit der Bewegung gewöhnt. Die Nächsten fünf bis sieben Tage braucht der Geist, um sich daran zu gewöhnen, das ausreichend Zeit für die Auseinandersetzung mit mir selbst da ist. Nach zwei Woche ist der Rhythmus komplett verinnerlicht und die Auseinandersetzung mit dir selbst beginnt und entfaltet seine volle Kraft. Jetzt kommen die Erkenntnisse die zum Erfolg führen.


Der Camino beginnt mit der Entscheidung ihn zu gehen

Für mich beginnt der Camino nicht erst am Startpunkt. Er beginnt in dem Moment, in dem ich mich entscheide, ihn zu gehen, dann ordnet sich etwas neu.


  • Welchen Weg gehe ich?

  • Wie viel Zeit nehme ich mir?

  • Was lasse ich zu Hause?

  • Was will ich unterwegs anschauen?

  • Welche Fragen nehme ich mit?

  • Und gestehe ich mir nach Santiago genug Zeit zu, um das Erlebte wirken zu lassen?


Eine gute Vorbereitung, körperlich wie mental, erleichtert den Einstieg und das Laufen. Ich kann mich auf das Wesentliche, auf mich konzentrieren und den Camino vom ersten Schritt an wirken lassen


Reduktion schafft Klarheit

Auf dem Camino passt mein Besitz in einen Rucksack.

Jedes Teil ist überlegt. Brauche ich das wirklich? Trage ich es, weil es notwendig ist, oder nur, weil ich mich damit sicherer fühle? Kompensiere ich damit eine Angst?

Bei meinen ersten Camino trug ich rund zwölf Kilo auf meinen Schultern. Diesmal konnte ich mein Gepäck auf neun Kilo inklusive Wasser reduzieren.

Drei Kilo weniger. Das klingt nüchtern, auf dem Rücken spürt man es sofort.

Irgendwann stellt man sich die größere Frage: Wie viel Ballast trage ich im Alltag, ohne ihn je zu wiegen?


  • Was trage ich innerlich mit mir herum?

  • Welche Gedanken sind wirklich meine?

  • Welche Aufgaben gehören zu mir?

  • Welche Erwartungen habe ich längst übernommen, ohne sie bewusst gewählt zu haben?



Zeit entscheidet über Tiefe

Natürlich kann man zehn Etappen laufen, zurückfliegen und am nächsten Tag wieder im Büro sitzen. Das kann ein guter Urlaub sein. Ein Tapetenwechsel. Eine starke Erfahrung.

Für eine tiefere Auseinandersetzung mit sich selbst braucht es mehr Raum.

Ich habe mir für meinen Camino zwei Monate Auszeit genommen. Gedanklich war ich schon ein Jahr vorher unterwegs. Ohne den Druck, ein bestimmtes Ergebnis erreichen zu müssen. Ohne Checkliste für Erkenntnisse. Ohne spirituellen Leistungsnachweis.

Ich bin losgegangen und habe dem Weg vertraut.

Das klingt schlicht,  ist es auch, aber schlicht ist nicht banal.

Der Weg hat mir gegeben, was ich brauchte. Nicht immer das, was ich erwartet habe, aber genau das, was dran war.

Begegnungen. Gespräche. Stille. Müdigkeit. Weite. Schmerzen. Dankbarkeit. Ordnung im Kopf.

Am Ende saß ich auf dem Platz vor der Kathedrale in Santiago de Compostela an meiner Säule. Dankbar für das, was ich erlebt hatte. Dankbar für die Menschen, denen ich begegnet bin. Dankbar für die Klarheit, die langsam wieder sichtbar wurde.


Der Camino endet nicht in Santiago

Der Camino hatte seine Wirkung entfaltet.

Er hat mich vorbereitet auf das, was kommt. Er hat beruhigt, was hinter mir lag. Er hat meinen Fokus wieder auf das gelenkt, was jetzt wichtig ist.

Und gleichzeitig blieb da dieses Gefühl: Ich möchte diesen Weg eigentlich nicht verlassen.

Natürlich kann ich nicht dauerhaft auf dem Camino bleiben. Irgendwann wartet der Alltag. Die Arbeit. Die Aufgaben. Die Projekte. 

Die eigentliche Auseinandersetzung beginnt deshalb nach Santiago:


  • Wie nehme ich den Camino mit in mein Leben?

  • Wie bewahre ich das Einfache, ohne meinen Alltag künstlich klein zu machen?

  • Wie treffe ich Entscheidungen, die zu meinen Werten passen?

  • Wie bleibe ich in Bewegung, ohne mich selbst zu überholen?


Für mich zeigt sich genau darin die eigentliche Kraft des Camino.

Er beginnt lange vor dem ersten Schritt und er endet nicht vor der Kathedrale.

Die Auseinandersetzung geht zu Hause weiter. Im Alltag. Dort, wo alte Muster wieder greifen wollen. Dort, wo Termine, Erwartungen und Gewohnheiten zurückkommen. Dort entscheidet sich, ob aus einer Erfahrung eine Veränderung wird.

Ich war 2022 zum ersten Mal auf dem Camino. Wenn ich heute darüber nachdenke, bin ich seitdem auf meinem Camino unterwegs. Mal sichtbar. Mal leise. Mal mit Rucksack. Mal ohne.

Aber immer auf dem Weg.

Auf dem Camino Frances
Auf dem Camino Frances

Was der Camino mit Coaching zu tun hat

Der Camino ist kein Wundermittel. Er ersetzt keine Therapie. Und er löst auch nicht automatisch jedes Lebensthema.

Er kann ein starker Erfahrungsraum sein.


  • Ein Raum, in dem Menschen Abstand gewinnen.

  • Ein Raum, in dem Entscheidungen klarer werden.

  • Ein Raum, in dem das eigene Leben wieder spürbarer wird.


Genau darum geht es auch in meinem Coaching: nicht um schnelle Antworten von außen, sondern um ehrliche Orientierung von innen.

Der Camino stellt keine PowerPoint-Fragen. Er stellt sie über den Körper. Über die Strecke. Über Müdigkeit. Über Begegnungen. Über Stille. Über den nächsten Schritt.

Manchmal reicht genau das, damit ein Mensch wieder hört, was in ihm schon lange gesprochen hat.

Wenn du selbst spürst, dass dein Alltag zu voll geworden ist, deine Entscheidungen schwerer werden oder du den Wunsch nach echter Klarheit hast, kann ein Gespräch ein erster Schritt sein. Ein Schritt, um zu sortieren, was gerade wirklich wichtig ist.

Nicht jeder hat die Möglichkeit eine längere Auszeit zu nehmen. Ich schaue mit dir, was dein persönlicher Camino sein kann um in die Veränderung, in deine Klarheit zu kommen.

endlichZEITleben – bewusster MIT deiner Zeit leben.



FAQ

Warum geht man den Camino mehrmals?

Weil jeder Camino anders ist. Nicht nur der Weg verändert sich, sondern auch der Mensch, der ihn geht. Neue Lebensphasen bringen neue Fragen mit. Der Camino wird dadurch nicht zur Wiederholung, sondern zu einem neuen Spiegel.

Ist der Camino gut für Persönlichkeitsentwicklung?

Er kann dafür ein sehr kraftvoller Raum sein. Durch Reduktion, Bewegung, Abstand und Begegnungen entsteht oft mehr Klarheit über eigene Werte, Entscheidungen und Lebensrichtungen. Entscheidend ist, mit welcher inneren Haltung man geht.

Muss man den ganzen Camino laufen?

Nein. Jeder Wegabschnitt kann wertvoll sein. Für eine tiefere Auseinandersetzung ist jedoch ausreichend Zeit wichtig. Wer direkt nach dem letzten Schritt wieder in den vollen Alltag springt, nimmt sich oft den Raum zur Verarbeitung.

Wann beginnt der Camino wirklich?

Für mich beginnt er mit der Entscheidung. Ab diesem Moment verändert sich der Blick. Die Vorbereitung, die Fragen, die Auswahl des Gepäcks und die innere Ausrichtung gehören bereits zum Weg.

Was passiert nach Santiago?

Dann beginnt die eigentliche Integration. Die Erfahrungen des Camino müssen in den Alltag übersetzt werden. Genau dort zeigt sich, welche Erkenntnisse bleiben und welche Entscheidungen daraus entstehen.

Klarheit auf dem Camino
Klarheit auf dem Camino


 
 
 

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