Wenn das schlechte Gewissen an den Feiertagen laut wird und zu Schuldgefühle werden.
- endlich Zeit leben
- 29. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit

Wenn das schlechte Gewissen zum Jahresende laut wird
Die Weihnachtszeit gilt als Fest der Ruhe, der Nähe, der Liebe. In der Werbewelt sitzen alle geschniegelt am Tisch, reden freundlich, lachen viel, alles ist warm und leicht. Und dann sitzt du vielleicht in deinem echten Leben dazwischen und merkst: So sieht es bei mir nicht aus. Vielleicht nur teilweise. Vielleicht gar nicht.
Viele nutzen diese Tage, um zurückzuschauen. Was war in diesem Jahr? Was lief gut? Was habe ich liegen lassen? Und genau da taucht es oft auf: dieses Ziehen im Bauch. Das schlechte Gewissen.
Vielleicht, weil du etwas gesagt hast, das anders ankam, als du es meintest. Vielleicht, weil du wieder zu wenig Zeit hattest. Nicht für die Menschen, die dir wichtig sind. Nicht für dich. Nicht für das, was du dir eigentlich vorgenommen hattest.
Und plötzlich ist dieses Gefühl da, als hätte es die Feiertage nur gebraucht, um endlich laut zu werden.
Ein schlechtes Gewissen ist nicht dein Feind
So unangenehm es ist, ein schlechtes Gewissen kann etwas Gesundes sein. Es zeigt, dass dir etwas nicht egal ist. Dass du Werte hast. Dass du Verantwortung spürst. Ohne dieses Gefühl würden Beziehungen schnell kalt werden, weil es dann keinen inneren Kompass mehr gäbe, der sagt, "Da war etwas nicht stimmig".
Schwierig wird es, wenn dieses Gefühl kippt.
Wenn aus "Ich habe etwas falsch gemacht" langsam "Mit mir stimmt etwas nicht" wird.
Dann geht es nicht mehr um eine Situation. Dann klebt das Gefühl an dir. Und plötzlich fühlt es sich an, als würde in dir ein Gericht tagen. Nicht als fairer Ort, an dem man Dinge sortiert, sondern als Tribunal, das nur ein Urteil kennt: schuldig.
Und dieses innere Gericht ist selten leise.
Wie sich Schuld anfühlt, wenn sie zu groß wird
Solche Situationen entstehen schneller, als man denkt. Jobdruck, Anspannung, dieses Gefühl, immer liefern zu müssen. Oder ein privater Konflikt, der genau in den Moment rutscht, in dem du müde bist. Ein Satz fällt. Eine Grenze wird berührt. Und dann ist da vielleicht noch der Stolz, der verhindert, dass du sofort zurück ruderst.
Danach kommt oft die Frage “Warum hält mich das so fest? Warum steigere ich mich da so hinein?”
Manchmal ist die Antwort ganz klar: "Ich habe jemanden verletzt, der mir wichtig ist."
Das ist die klare Seite des schlechten Gewissens. Und wenn du das so benennen kannst, ist es oft schon halb entschärft. Nicht, weil es plötzlich weg ist. Sondern weil der Weg sichtbar wird. Es geht um Kontakt. Um Verantwortung. Um Wiedergutmachung. Nicht um Selbstzerstörung.
Aber manchmal liegt darunter noch etwas anderes. Ein Satz, der viel härter ist:"Ich habe Angst, dass ich so bin."
Das ist der Punkt, an dem es im Körper oft richtig stressig wird. Dann geht es nicht mehr um "Was kann ich tun?", sondern um "Was, wenn ich im Kern falsch bin?"
Wenn jemand dort hängen bleibt, beginnt das Grübeln. Nicht als Nachdenken, sondern als Kreisen. Alles wird überprüft. Alles wird gewogen. Man sucht nach Sicherheit. Man will dieses Gefühl loswerden, aber es lässt sich nicht wegdrücken.
Das kostet Kraft. Irgendwann hast du nicht nur ein schlechtes Gewissen, sondern auch weniger Schlaf, weniger Geduld, weniger Energie. Es frisst sich in den Alltag. Und dann höre ich Sätze wie: "Ich funktioniere, aber innerlich bin ich die ganze Zeit angespannt."
Was wir im Coaching wirklich tun
Viele erwarten, dass ich als Coach dann sage, was richtig wäre. Den einen Satz liefere, der alles löst. Oder eine Strategie, die das schlechte Gefühl einfach abstellt.
Der Ansatz ist ein anderer.
Der erste Schritt ist fast immer: sortieren.
Denn ein schlechtes Gewissen ist oft kein einzelnes Gefühl. Es ist eine Mischung. Zum Beispiel aus:
einem echten Fehler,
einem echten Wert,
einer alten Angst,
einem alten Satz im Kopf,
und manchmal auch aus einer Verantwortung, die du dir auflädst, die gar nicht zu dir gehört.
Ich sage dann gern: "Lass uns das auseinandernehmen." Nicht, um etwas schönzureden. Sondern damit du wieder klar sehen kannst.
Ganz praktisch frage ich dann:
"Was ist der Teil, den du wirklich verantworten willst?"
"Was ist der Teil, den du gerade übertreibst?"
"Was würdest du einem guten Freund sagen, wenn er in deiner Situation wäre?"
Bei dieser letzten Frage stocken viele. Weil sie merken: Sie würden einem Freund niemals so hart begegnen, wie sie sich selbst begegnen.
Einmal sagte mir ein Klient:"Ich würde ihm sagen, er soll sich entschuldigen, aber sich nicht fertig machen."
Das war der Moment, in dem etwas weicher wurde. Nicht, weil man sich etwas einredet. Sondern weil man spürt, wie ungleich die Waage hängt.
Wiedergutmachung statt Selbstbestrafung
Eine entscheidende Frage kann sein, "Was wäre eine Wiedergutmachung, die deinen Werten entspricht?"
Nicht eine schnelle Nachricht, die nur dein Unbehagen beruhigt. Sondern ein Kontakt, der dem anderen gerecht wird.
Denn eine Entschuldigung kann auch eine Art Flucht sein. Ein schnelles "Sorry, war nicht so gemeint", damit es wieder ruhig wird.
Beim Gegenüber bleibt dann oft hängen: Du willst vor allem Ruhe. Nicht Verbindung.
Deshalb arbeiten wir manchmal an einer Entschuldigung, die drei Dinge trägt:
Benennen, was passiert ist.
Anerkennen, was das bei anderen ausgelöst haben kann.
Sagen, was du künftig anders machen willst.
Das klingt simpel. Ist es aber selten. Weil es Haltung braucht. Und weil es den Unterschied macht zwischen:"Ich will, dass mein schlechtes Gefühl weggeht"und"Ich will Verantwortung übernehmen."
Manchmal ist der nächste Schritt auch keine Nachricht, sondern ein Gespräch. Manchmal ist es eine Grenze, die du für dich ziehst: "So will ich in Zukunft nicht mehr sprechen, auch nicht im Stress." Und manchmal ist es ein innerer Satz, den du übst:"Ich habe etwas falsch gemacht. Aber ich bin nicht falsch."
Das ist kein Spruch. Das ist eine Haltung, die man lernen kann.
Und wenn das Gewissen trotzdem bleibt?
Nicht jedes schlechte Gewissen verschwindet sofort, selbst wenn du etwas geklärt hast. Manche Menschen tragen alte Muster mit sich. Sie haben früh gelernt, dass Liebe an Leistung hängt. Oder dass Fehler gefährlich sind. Oder dass man immer vernünftig sein muss.
Dann ist das schlechte Gewissen nicht nur eine Reaktion auf das, was gerade passiert ist. Es ist auch ein vertrauter Mechanismus, fast wie ein Schutz:"Wenn ich mich genug quäle, bin ich sicher."Oder:"Wenn ich hart zu mir bin, werde ich besser."
Im Coaching schauen wir dann tiefer, aber verantwortungsvoll. Nicht als Therapie. Sondern als klärender Prozess. Fragen, die dabei helfen, das Muster zu erkennen:
Welche alten Regeln laufen da?
Wem willst du es recht machen?
Wovor schützt dich dieses schlechte Gewissen?
Und was kostet es dich?
Allein diese Fragen verändern oft schon etwas. Weil sie dem Muster die Selbstverständlichkeit nehmen. Und weil dein Körper spürt: Hier wird nicht weiter geprügelt. Hier wird verstanden.
Wenn ein Gespräch nicht perfekt sein muss
Wenn du das Gespräch suchst und aussprichst, was dir auf der Seele liegt, kann sich vieles klären. Nicht, weil alles sofort gut wird. Sondern weil du in einen ehrlichen Austausch gehst, der deinen Werten entspricht. Du zeigst Haltung. Du stehst für dich ein.
Eine Klientin erzählte mir nach so einem Gespräch:"Es war nicht perfekt. Ich habe gestottert, ich habe gezögert, ich war emotional. Aber ich bin da geblieben. Und der andere auch."
"Das schlechte Gefühl ist nicht komplett weg", sagte sie. "Aber es ist nicht mehr so giftig. Es ist eher wie ein Hinweis, nicht wie eine Strafe."
Genau darum geht es oft.
Nicht darum, nie wieder Schuld zu fühlen. Sondern darum, Schuld lesen zu können. Zu unterscheiden, was wirklich zu dir gehört und was nicht. Und handlungsfähig zu bleiben, statt dich innerlich zu verlieren.
Einladung zum Orientierungsgespräch
Wenn du merkst, dass ein schlechtes Gewissen dich bindet, dich nachts wach hält oder dir im Alltag die Luft nimmt, dann musst du das nicht allein herumtragen.
Im Orientierungsgespräch (30 Minuten, unverbindlich) schauen wir gemeinsam, worum es bei dir wirklich geht: um Verantwortung, um Klärung, um Grenzen oder um ein Muster, das sich wiederholt. Du bekommst mehr Ordnung in das, was gerade durcheinander ist, und eine klare Idee, was der nächste sinnvolle Schritt sein kann. Es kann ein ruhiger Startpunkt sein, wenn du wieder klarer atmen und handeln willst.
Den Termin findest du über die Buchungs- bzw. Kontaktmöglichkeit auf www.endlichzeitleben.com/blog.




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