Dankbarkeit zum Jahresende
- endlich Zeit leben
- 19. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit

Zwei Wochen vor dem Jahreswechsel lohnt sich ein stiller Blick zurück.
"Was für ein Jahr."
Das sind meine ersten Gedanken, wenn ich an 2025 denke.
Es sind noch gut zwei Wochen bis zum neuen Jahr. Ich habe Urlaub. Und ich merke, wie gut es tut, einmal nicht nur weiterzulaufen. Sondern wirklich runterzufahren, Luft zu holen und leiser zu werden. Bilanz ziehen, um klar zu bleiben für das, was war und das was kommt.
Wenn ich dieses Jahr in einem Bild festhalten müsste, dann wäre es ein Gewebe aus Licht und Schwere. Selten habe ich Freude und Leid so eng ineinander verwoben erlebt.
Es sind viele liebe Menschen gegangen. Gleichzeitig habe ich unfassbar viele neue Menschen kennenlernen dürfen. Es sind tiefe Freundschaften und Verbundenheit entstanden. Das war intensiv und nicht immer einfach. Die Ereignisse haben sich teilweise extrem überschlagen.
Wenn das Leben laut wird, zeigt sich, was wirklich zählt
Das Schwierigste in diesem Jahr war, dass ich meine große Schwester und ihren Mann beerdigen musste.
Es waren quälende Monate. Ich war in dieser Zeit im intensiven Austausch mit meiner jüngeren Schwester. Wir haben uns gegenseitig aufgebaut und unterstützt. Oft haben wir uns gegenseitig gestützt und gestärkt. Diese Monate waren geprägt von Sorge und funktionieren. An dieser Stelle bin ich meiner Schwester und ihrem Mann sehr dankbar, weil die beiden Unmenschliches geleistet haben. Dinge, zu denen ich in dieser Form nicht imstande gewesen wäre.
In dieser Zeit hat sich sehr deutlich gezeigt, wo die Probleme im Krankensystem liegen. Und wie schwer es einem gemacht wird, in Würde zu sterben.
Dankbar bin ich auch der Betreuerin, die wir per Gericht beantragen mussten und die mit uns gemeinsam, meine Schwester und meinen Schwager bis zum Ende begleitet hat. Sie hat uns den Behörden- und Krankenkassen Kram abgenommen. Unfassbar, was man alles tun muss, um überhaupt in das Pflegesystem hineinzukommen.
Und immer wieder kam diese Frage: Wie machen das eigentlich Menschen, die keine Angehörigen mehr haben? Menschen ohne Familie oder Freunde, die unterstützen können, und die sich kümmern.
Wenn man alleine ist, überrollt einem das System.
Ich weiss nur, ich möchte das so nicht für mich, ich werde vorsorgen. Das steht ganz oben auf meiner Liste für 2026.
Vorsorge ist nicht nur Papierkram. Es ist Würde.
Bei der letzten Nacht der Redner in Hamburg habe ich die Speakerin und Vorsorgeanwältin Anne Woywod auf der Bühne erlebt.
Ihr Titel war: "Bühne frei für das Leben - und das Sterben."
Der Satz, der bei mir geblieben ist: "Vorsorge ist Selbstbestimmung und ein Liebesdienst an deine Liebsten."
Ich habe mit meiner jüngeren Schwester erlebt, was es bedeutet, wenn nichts vorbereitet ist. Dann nimmt man, was man bekommt. Man sucht ein Pflegeheim, das Kapazität hat. Man hofft auf Würde bis zum Ende. Man kämpft sich durch Formulare, Zuständigkeiten, Telefonate und muss sich mit der Bank ärgern, weil in dieser tollen Digitalen Welt kein Ansprechpartner greifbar ist, der einen erklären könnte, warum das Konto gesperrt wurde. Während man eigentlich begleiten oder Abschied nehmen möchte, organisiert man. Großer dank an Frau Golde-Strecker für ihre einfühlsame Art und der unbezahlbaren Hilfe.
An dieser Stelle sende ich einen lieben Gruß an Karen und ihr Team im palliativzentruminfinitas.de (Hospiz Burgwedel gGmbH). Gern hätte ich meine Schwester und meinen Schwager von euch begleiten lassen. Eure Arbeit ist beeindruckend und sehr wertvoll!
Es waren leider noch mehr Sterbefälle in meiner Familie und im Freundes- und Bekanntenkreis. Alle werde ich schmerzlich vermissen und nie vergessen.
Und trotzdem geht das Leben weiter
Das Leben nimmt selten Rücksicht auf solche Ereignisse. Und so war es in diesem Jahr nicht immer leicht, sich auf andere Dinge zu fokussieren.
Mein 2025 sollte ein Jahr der Vorbereitung werden. So hatte ich es am Anfang geplant. Ich wollte mich darauf vorbereiten, um 2026 mit einer neuen Ausrichtung mehr Sinnhaftigkeit in mein Leben zu bekommen.
An erster Stelle stand meine Coachingausbildung und alles, was damit verbunden ist. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Weg wirklich gehe, weil das kein kleiner Schritt ist. Es ist eine Entscheidung, die dich nicht nur beruflich, sondern auch persönlich neu sortiert.
Ich wollte noch einmal etwas in meinem Leben ändern. Mich neu aufstellen. Etwas Sinnvolles mit meiner Zeit anfangen. Ich möchte Menschen begleiten, ihr Leben leichter zu leben. Nicht indem man ihnen das Leben abnimmt. Sondern indem man ihnen hilft, klarer zu sehen, Verantwortung für sich zu übernehmen und wieder bei sich anzukommen.
Ich habe in den letzten Jahren selbst viel Veränderung erlebt und gelebt. Ich wurde dafür bewundert, beneidet und angezweifelt. Wie es im Leben eben ist. Es gibt die, die dich unterstützen und an dich glauben. Dann gibt es die, deren eigene Beschränkung Grund genug ist, dich unnötig zweifeln zu lassen.
Ein weiteres Learning in diesem Jahr war: Höre nur auf dich und suche eher die Unterstützer auf, als diejenigen, die dich kleiner machen wollen.
Ich habe in diesem Jahr viel gelernt über Menschen und ihre Beweggründe. Darüber, warum sie sind, wie sie sind. Und auch darüber, wie wichtig es ist, bei sich zu bleiben, wenn es im Außen laut wird.
Dankbarkeit ist keine Floskel.
Es ist bewusstes Leben.
Ich habe das Jahr genutzt, mich ausgerichtet, vorbereitet und bin losmarschiert. Ich habe viele Dinge angeschoben, die 2026 starten oder gefestigt werden. Und ja, ich bin bereit für die Herausforderungen, die mich erwarten.
Ich bin dankbar für alles, was ich in diesem Jahr erleben durfte und für vieles, was scheinbar unspektakulär ist, aber doch das ist, was es ausmacht zu Leben und mich trägt.
Ganz besonders dankbar bin ich für meine Familie, meine Kinder, meine Liebste, meinen Job, die Kolleginnen und Kollegen.
Dafür, dass ich mich weiterentwickeln kann, darf und will.
Ich bin dankbar, dass ich Gutes tun und das ich Menschen in Not helfen konnte. Es war mir möglich zu geben, weil ich es mir leisten konnte, finanziell und zeitlich, und weil ich immer aufmerksamer mein Leben lebe.
Ich bin dankbar für die Menschen, die mir ihr Vertrauen gaben und ich sie begleiten durfte. Menschen, die in ihren Gedanken gefangen waren und sich neu ausrichten wollten aber für sich keinen Ausweg aus ihrer Situation fanden. Menschen die nach einem Coaching mit mir ihre Themen auflösen konnten.
Einige von ihnen gaben mir die Erlaubnis, ihr positives Feedback auf meiner Homepage zu veröffentlichen. Das war eine stille Form von Bestätigung. Ein Zeichen für mich, dass dieser Weg den ich eingeschlagen habe Sinn macht.
Auch dafür bin ich dankbar: Meine Homepage www.endlichzeitleben.com/!
Sie ist veröffentlicht und sie wirkt. Ich habe Anfragen bekommen über diese neue Sichtbarkeit.
Ich bin dankbar, dass ich mit Dr. Ariane Köster eine Mentorin gefunden habe, die mir die richtigen Impulse gegeben hat. Ohne sie wäre ich mit der Homepage nicht da, wo ich jetzt bin.
Dankbarkeit ist etwas Wertvolles. Nicht, weil sie Probleme einfach so auflöst, sondern weil sie den Blick ausrichtet und schärft. Sie erinnert mich daran, was trägt. Und wofür ich losgehe.
Es waren in diesem Jahr so viele Ereignisse, die mein Persönliches 2025 mit all den Widrigkeiten zu etwas ganz besonderem gemacht hat. Ich danke allen die Teil meines Jahres waren.
Ein ruhiger Jahresausklang beginnt mit Ehrlichkeit
Ich wünsche dir einen ruhigen und beschaulichen Jahresausklang.
Schau mal zurück und frag dich: Wofür darf ich dankbar sein? Und ja, du darfst den Fokus auf die schönen Momente legen, ohne das Schwere kleinzureden. Manchmal wird der Blick auf das, was nicht schön war, erst dann erträglicher, wenn man die Kraft hat, sich auf die positven Erlebnisse im Leben fokussieren kann.
Sei dankbar für das, was im Hier und Jetzt ist. Nimm nicht alles so schwer. Oft ist die Aufregung größer als der Anlass. Und wenn du merkst, dass du dich gerade wieder verlierst, dann komm zurück zu dir. Denk an dich. Sei liebevoll und selbstfürsorglich mit dir.
Ich freue mich auf 2026.
Eine kleine Reflektion für dich:
Was aus diesem Jahr willst du bewusst mitnehmen - und was darf in Würde hier bleiben?




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